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Jedes Jahr ein neues Thema – innerhalb der Dekade vor dem Reformationsjubiläum hat die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) jedem Jahr ein besonderes Thema zugeordnet. In diesem Jahr ist es das Thema Toleranz.
Luther – als einem Kind seiner Zeit – war das Verständnis von Toleranz als ein allen Bürgern zustehendes Grundrecht fremd – auch in Bezug auf die Religionsfreiheit. Weit entfernt war er von einer Einstellung des Respekts und der Anerkennung anderer Religionen. Ihm verdanken wir zwar die Eindeutschung des lateinischen Begriffs „tolerantia“ – allerdings in einer ablehnenden Weise. Luther lehnte jegliche „Tolerantz“ und Duldung gegenüber kaiserlichen Glaubensartikeln wie auch die Beschlüsse eines päpstlichen Konzils ab. So äußert er sich in einem Brief vom 12. Juni 1541.
Wie verstand Luther daher die Juden? Konnte er anfangs in seiner Schrift „Dass Jesus Christus ein geborener Jude sei“ von 1523 noch Verständnis dafür zeigen, dass Juden noch nicht Christen geworden sind, weil der römische Katholizismus bislang den Zugang zum christlichen Glauben verdunkelt habe, so ändert er diese vermeintlich positive Grundhaltung in seiner Spätschrift von 1543 „Von den Juden und ihren Lügen“. Nun, da durch die reformatorische Verkündigung des Evangeliums der Weg zu Christus freigelegt worden sei, gebe es auch für die ‚ungläubigen’ Juden keinen Grund mehr, nicht an Christus zu glauben. Daher müsse letztlich sogar der Staat gegen dieses ‚ungläubige’ und ‚halsstarrige’ Volk einschreiten. Luther schlägt Maßnahmen vor, die in erschreckender Weise an die antisemitische Pogromstimmung im Hitler-Deutschland erinnern. Ist Luther also ein Wegbereiter des Antisemitismus gewesen?
Pastor Dr. Günter Wasserberg ist der Beauftragte für das Reformationsjubiläum 2017 im Sprengel Hamburg-Lübeck. Er wird in seinem Vortrag den theologischen Weg Luthers in seiner Einstellung zur ‚Judenfrage’ nachzeichnen und zugleich danach fragen, wie wir heutzutage aus christlicher Sicht sowohl mit dem jüdischen Glauben wie auch mit der Gefahr des Antijudaismus umgehen können.
Eine Anmeldung ist nicht notwendig. Der Eintritt ist frei, über Spenden freuen wir uns.
